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Tag 13: Canyoneering mit Rick, Devils Garden

Der Wecker klingelt heute um 5:00 Uhr. Mit Musik auf MTV werden wir schnell wach. Nachdem unser obligatorisches Video von "OK Go " gespielt wurde, stehen wir auf. Irgendwie scheint es bei MTV nur fünf Videos zu geben, die in Schleife gespielt werden. Morgens beim Aufstehen kann es passieren, dass wir ein Video drei Mal sehen.

Um 5:30 Uhr verlassen wir unser Motelzimmer. Draußen ist es verdammt kalt und die Pullis, die wir anhaben, wärmen nicht wirklich. Die Rezeption ist leider noch zu, so dass wir noch nicht einmal einen Kaffe bzw. Tee zum Aufwärmen und Wachwerden bekommen. Schnell machen wir uns auf den Weg zur Hole-in-the-Rock-Road, denn heute wollen wir einmal zum Sonnenaufgang im Devils Graden sein. Die Heizung wird voll aufgedreht, denn draußen sind nur ca. 10°C.

Es ist noch dunkel, als wir auf die Hole-in-the-Rock-Road abbiegen und die 27 km bis zum Devils Garden zurücklegen. Um diese Zeit muss man auf die Hasen aufpassen, die hier plötzlich und unerwartet die Straße kreuzen. D.h. zu schnell können wir nicht fahren.

Um 6:00 Uhr erreichen wir den Parkplatz am Devils Garden. Es steht kein weiteres Auto dort. Gegenüber der Einfahrt haben wir jedoch den Wagen des seltsamen Amerikaners von gestern gesehen, der hier scheinbar wild camped, was eigentlich verboten ist.

Es ist eine große Überwindung für uns, aus dem warmen Auto auszusteigen. Aber wir wollen schöne Fotos machen, also nichts wie raus. Es wird zwar langsam dämmerig und hell, doch die Sonne versteckt sich noch hinter den Bergen. Während wir darauf warten, dass die Steinformationen langsam von der Sonne angestrahlt werden, versuchen wir uns ein wenig warm zu halten. Doch bei den kalten Temperaturen klappt es leider nicht.

Nach 30 Minuten fangen die Felsen langsam an zu leuchten.

Bianca hält es in der Kälte jedoch nicht mehr aus und geht zurück ins warme Auto. Matthias wartet allerdings noch darauf, dass die gesamten Felsen angestrahlt werden. Doch nach weiteren 10 Minuten kommt auch er ins Auto zurück, denn die Gegend ist offensichtlich eine Sunset und nicht Sunrise Location.

Also fahren wir lieber noch einmal zurück ins Motel, um uns aufzuwärmen und ein warmes Getränk zu holen. Um 7:15 Uhr sind wir wieder im Prospector Inn. Etwas müde ruhen wir uns noch auf dem Bett aus, bevor es um 7:50 Uhr zum Trailhead Cafe geht, wo wir Rick treffen wollen.

Als wir dort eintreffen, ist das Cafe noch geschlossen. Kurz nach 8:00 Uhr sehen wir dann Amie aus dem Wohnhaus in Richtung Cafe gehen, dass sie kurz danach auch für uns aufschließt. Als erstes bekommen wir einen starken Kaffee angeboten und dann teilt uns Amie die Kletterutensilien, wie Klettergurt, Helm, Karabiner und Handschuhe aus. Anschließend bereitet sie die Lunchpakete vor. In der Zwischenzeit schauen wir uns ein wenig in dem Cafe um, und lesen in den Outdoor Utah Magazinen. Die Zeit, in der wir warten, kommt uns ewig vor. Vielleicht liegt es auch an der immer großer werdenden Anspannung und Erwartung.

Gegen 8:45 Uhr sagt Amie, dass sie Rick holen wird. Kurz darauf betritt ein gutgelaunter Mann das Cafe, der uns sehr freundlich begrüßt. Obwohl wir von Amie gerade einen Kaffee bekommen haben, sollen wir unbedingt noch einen Chi Tee trinken, den uns Rick persönlich macht. Anschließend fragt uns Rick ein wenig nach unseren Vorlieben und Wander- bzw. Klettererfahrungen aus. Außerdem studiert er den Fragebogen, den wir ausfüllen mussten und in den wir unseren sportlichen und gesundheitlichen Zustand eintragen sollten. Dieses Gespräch dient Rick offensichtlich dazu, die passende Tour auszusuchen. Da wir erzählen, dass wir gern und viel Fotografieren, sucht er die Tour danach aus. Gegen 9:15 Uhr steigen wir dann in den gelben Nissan Xterra von Rick und machen uns auf den Weg.

Wir verlassen Escalante und biegen nach einigen Meilen auf die Spencer Flat Road ab. Auf den ersten Kilometern ist die Straße noch recht gut, doch sie wird stetig sandiger. Nichtsdestotrotz fährt Rick mit einer ganz schönen Geschwindigkeit die Straße entlang und ab und zu kommt der Jeep ganz schön ins Schwimmen.

Auf einmal sehen wir am Straßenrand einen Wagen parken. Es ist der Wagen von Heiko und Markus, mit denen wir vorgestern in der Wave waren. Rick nimmt den Wagen zur Kenntnis und erzählt uns, dass er sich mit Freunden auf die Suche nach den Insassen machen wird, wenn der Wagen in den nächsten Tagen immer noch dort stehen würde. Er gehört einer Gruppe von Personen an, die eine Art Bergrettung angehören. Insofern achtet er immer auf verwaiste Autos am Wegesrand.

Eine Viertelstunde später erreichen wir unser Ziel und Rick parkt den Wagen. Wir holen unsere Rucksäcke aus dem Auto und machen uns fertig. Rick versteckt den Autoschlüssel am Auto und erklärt uns, dass man das immer machen sollte, denn wenn beim Klettern etwas passiert und er abstürzen würde, würde der Schlüssel mit ihm abstürzen und wir könnten keine Hilfe holen. Unsere Befürchtung, dass jemand in der Zwischenzeit den Wagen stehlen könnte, zerstreut er. So etwas würde man hier in der Gegend nicht machen.

Bevor wir loswandern bilden wir noch einen Kreis und "schwören uns ein". Dann geht es los. In gemächlichem Tempo wandern wir durch die Ebene und Rick zeigt uns ab und zu Steine, die für uns ganz normal aussehen, aber Überreste der Ureinwohner sind. So findet er z.B. Teile von Tongefäßen oder Pfeilspitzen.

Nach ca. 30 Minuten erreichen wir den ersten Canyonrand. Wir setzen unsere Helme auf und Rick hilft uns in die Klettergurte.

Dann holt er das Seil aus seinem Rucksack und befestigt es an einem relativ kleinen Baum. Nachdem das erledigt ist, erklärt uns Rick kurz, wie wir jetzt die Wand herunterkommen, schließlich ist es für uns das erste Mal, das wir uns abseilen. Außerdem werden wir in die Kommandos eingewiesen.

Und dann geht es los. Als erstes geht Matthias nach unten und es klappt sehr gut. Dann ist Bianca an der Reihe. Etwas mulmig ist ihr schon zumute, schließlich hat sie (angeblich) Höhenangst, aber auch sie schafft es ohne größere Probleme.

Als letztes kommt dann Rick, der von Matthias von unten gesichert wird.

Unten angekommen, löst Rick mit einem starken Ruck das oben verankerte Seil und zieht es nach unten. Anschließend packen wir unsere Sachen wieder zusammen und laufen weiter. Nach einigen Minuten erreichen wir eine Felsspalte, an der wir anhalten und unsere Rucksäcke wieder ablegen. Hier erklärt uns Rick einige Klettertechniken, wie Bridging. Das Klettern macht hier großen Spaß und die Hindernisse können wir mit Ricks Hilfe gut überwinden.

Dann schultern wir wieder die Rucksäcke und laufen weiter. Kurze Zeit später erreichen wir den nächsten Canyonrand. Dieser ist etwa genauso hoch, aber dafür erwartet uns am Grund ein großer Pool. Rick erklärt uns, dass wir uns beim Klettern etwas rechts halten sollten, da der Pool an dieser Seite nicht ganz so tief ist. Das Seil wird dieses Mal an einem kleinen Strauch befestigt, von dem wir nicht unbedingt den Eindruck haben, dass er unser Gewicht halten könnte. Aber zum Glück haben wir ja noch Rick als zweiten Anker.

Dieses Mal seilt sich Bianca als erstes ab, nicht ganz freiwillig, sondern nach Aufforderung von Rick. Aber es klappt ganz gut und die Schuhe werden auch nicht allzu nass. Danach folgt dann Matthias. Auch bei ihm klappt alles ohne Probleme.

Gleich hinter dem Pool befindet sich der nächste Abgrund. Dieser ist wesentlich tiefer und muss in zwei Etappen überwunden werden. Das Problem ist, dass Rick beim Abseilen soweit weg steht, dass er uns nicht mehr sehen kann und auf unsere Zurufe angewiesen ist, um uns Hilfe geben zu können.

Der erste Teil ist relativ flach und am Ende muss über eine Art Mauer geklettert werden. Dann kommt der eigentliche Teil des Abseilens. Dieses Mal müssen wir uns ebenfalls rechts halten und nach wenigen Metern ein wenig schwingen, um mit dem rechten Bein wieder an die Wand zu kommen. Unten erwartet uns dann ebenfalls ein Pool.

Was in den Erzählungen von Rick noch relativ leicht klingt, soll sich als relativ schwierig erweisen und Rick erzählt uns auch, dass dies nur die wenigsten beim ersten Mal geschafft haben. Matthias klettert ganz mutig als erstes. Das mit dem Schwingen klappt ganz gut, doch unten angekommen landet er mitten im Pool, der an dieser Stelle ungefähr bis zur Hüfte reicht. Von oben betrachtet sieht das ganze ganz schön gefährlich aus, so als würde man in ein tiefes schwarzes Etwas klettern. Bei diesem Anblick wird Bianca ganz unwohl, doch Rick und Matthias reden beruhigend auf sie ein.

Und dann passiert es. Die Stelle, auf die Rick hingewiesen hat, an der man etwas schwingen muss, um die Beine wieder an die Wand zu bekommen, bewältigt Bianca nicht und rutscht weg. Plötzlich hängt sie ohne Halt im Seil. Dies ist der Moment, wo bei ihr Panik ausbricht. Die natürliche Reaktion wäre jetzt, die Hände vom Seil zu nehmen und versuchen, etwas Halt zu bekommen. Doch die Hände vom Seil nehmen, ist das schlimmste, was man tun kann, denn dann würde man grundsätzlich einfach in die Tiefe stürzen, wenn man nicht durch das zweite Seil durch Rick gesichert wäre.

Nachdem sich die erste Panik gelegt hat, nimmt Bianca die Ratschläge von Matthias an und schafft es dann auch wieder festen Halt und die Beine wieder an die Wand zu bekommen. Das letzte Stück Abseilen klappt dann auch ganz gut und Bianca landet ebenfalls bis zur Hüfte im Pool.

Nachdem auch Rick unten angekommen ist, bei dem das Ganze natürlich ohne Probleme klappt und ganz einfach aussieht, machen wir erst einmal Lunch Pause. Wir setzten uns ein wenig in die Sonne, denn mit der nassen Kleidung ist es im Schatten ganz schön kalt. Aber zum Glück trocknet der imprägnierte Stoff ganz schnell. Wir holen also unsere Lunchboxen, die wir von Amie bekommen haben, aus den Rucksäcken. Darin finden wir ein leckeres Sandwich mit Käse und Schinken, einen Müsliriegel und ein paar Chips.

Nach einer halben Stunde Pause, in der wir auch wieder getrocknet sind, geht es dann weiter. Wir durchklettern einen schmalen gewundenen Felsspalt in dem wir mit dem Seil gesichert sind. Danach folgt der letzte Rappel, bei dem es keine Vorgaben mehr gibt. Wir können uns hier so abseilen, wie es uns gefällt. Als Anker benutzt Rick hier einen sog. "Deadman Ancor". Dies ist ein relativ dicker Ast, der quer in den Sand eingegraben wird. Für uns klingt es im ersten Moment unwahrscheinlich, dass das halten soll, aber Rick beruhigt uns. Außerdem werden wir ja immer noch zusätzlich durch ihn gesichert.

Als erstes seilt sich Matthias ab und anschließend Bianca. Dieses Stück war absolut kein Problem und hat viel Spaß gemacht. Der Felsen sieht hier ein wenig aus wie im Zebra Slot Canyon, da er rot weiße Streifen hat. Unten angekommen erzählt uns Rick, dass dieser Canyon Amies Lieblingscanyon ist, deshalb nennt er ihn auch "AFC (Amie's Favorite Canyon)".

Und dann folgt das, was immer kommt, wenn man in einen Canyon hinunter klettert - man muss wieder hinauf. Dies ist auch wieder mit klettern verbunden, allerdings ohne Seil. Deshalb ziehen wir als erstes wieder die Klettergurte aus. Die Helme müssen wir allerdings noch auflassen, solange wir uns im Canyon befinden, da aus hoher Höhe herunterfallende Steine sehr gefährlich sein können.

Beim Klettern können wir dann auch gleich die gelernten Techniken von Rick anwenden. Manchmal hat Bianca allerdings ein paar Probleme, da ihre Beine zu kurz sind, und beim Bridging nicht an die andere Wand reichen.

Um 14:30 Uhr verlassen wir die Cayonlandschaft und haben die Ebene wieder erreicht. Langsam und gemächlich laufen wir wieder zum Auto zurück. Nachdem wir alles im Auto verstaut haben, machen wir uns auf den Rückweg. Mit hohem Tempo fährt Rick wieder die Spencer Flat Road zurück zum Highway. Unterwegs sehen wir immer noch den Wagen von Markus und Heiko parken.

Zurück in Escalante im Trailhead Cafe bekommen wir erst einmal ein großes Glas mit Eiswasser und sollen uns anschließend noch im Gästebuch verewigen. Während sich Rick bereits verabschiedet hat, ist Amie dabei, die Gäste aus dem Cafe zu bitten und zu schließen. Ihrer Ansicht nach hat sie für heute genug gearbeitet. Nachdem wir uns im Gästebuch eingetragen haben, verabschieden wir uns und steigen in unser Auto.

So richtig wissen wir nicht, was wir jetzt machen sollen. Mittlerweile ist es 16:30 Uhr und fürs Motel eigentlich noch zu früh. Also beschließen wir noch einmal zum Devils Garden zu fahren. Damit wir nicht wieder wenige Minuten zu spät kommen, fahren wir gleich los, ohne vorher noch ins Motel zu fahren.

Pünktlich zur golden hour sind wir da und dieses Mal ist kein weiteres Auto auf dem Parkplatz zu sehen. Wir haben also das ganze Gebiet für uns allein und können ungestört unser Stativ aufbauen. Die Steine sehen jetzt so schön aus, dass wir gar nicht wissen, wo wir zuerst Fotos machen sollen. Nach einer halben Stunde ist jedoch wieder alles vorbei, das die Sonne schon wieder hinter den Bergen verschwindet.

Schnell steigen wir ins Auto und düsen die Hole-in-the-Rock-Road zurück zum Highway. Wir wollen noch zu der Stelle fahren, die uns Rick auf dem Rückweg als schöne Sunset Location empfohlen hat. Der Blick ist hier sehr schön, aber leider sind wir ein wenig zu spät, da die Sonne schon fast untergegangen ist.

Also fahren wir zurück nach Escalante und halten gleich bei der Tankstelle an, um uns wieder die Double Pepperoni Pizza mitzunehmen. Anschließend geht es zurück ins Prospector Inn, wo wir es uns bei Pizza und kalten Getränken gemütlich machen.

Nach einer ausgiebigen Dusche machen wir es uns auch wieder auf dem Bett bequem und planen den morgigen Tag. Jetzt merken wir auch ein wenig die Anstreckung der Kletterei und schlafen kurz danach ein.


Der 13. Tag in Daten:

Datum
17. September 2006

Motel
Prospector Inn, Escalante
Preis pro Nacht (2 Queen Beds): USD 63,27 = EUR 50,75

Eintritt

Sonstige Ausgaben
Tanken bei Sinclair in Escalante: USD 40,33 = EUR 32,41
Pizza bei Sinclair in Escalante: ? (bar bezahlt)

Entfernung
133 km (ohne Tour mit Rick)

GPS-Track und Höhenprofil (ohne Tour mit Rick)

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